Auch missglückte Ausflüge wollen gebloggt werden: das elbfrollein und die Elbe

Auch missglückte Ausflüge wollen gebloggt werden: das elbfrollein und die Elbe

Juhuuu, endlich Sommer! Sonne, Strand, ab an die Elbe – das Ziel am Sonntag war klar. Wir wollten es gern etwas ruhiger haben und steuerten daher ausnahmsweise nicht die Strandperle an, sondern fuhren weiter bis nach Rissen. Ländliche Idylle, vor uns die Elbe, hinter uns nicht mehr als das sanft im Wind wehende Dünengras – so in etwa hatten wir uns das vorgestellt. Es fing auch wirklich schön an. Wir parkten in der Straße „Am Leuchtturm“. Ist das vielleicht ein toller Straßenname? Sollte ich jemals aus Eimsbüttel wegziehen, weil es da doch ein Haus im Grünen gibt, in dem ich mich nicht fühle als wäre mein Leben jetzt vorbei, dann bitte in so einer Straße. (Habt Ihr Euch jemals damit beschäftigt, wie Straßen in Neubaugebieten benannt werden? Nein? Ich sage Euch, es tun sich Abgründe auf…) Und sie heißt nicht nur so, sondern sie liegt auch noch direkt am Leuchtturm. Also, wenn ich mir vorstelle, dass ich von meinem Wohnzimmer oder meiner Terrasse aus auf einer Seite die Elbe, auf der anderen den Leuchtturm… Hach. Ist das schön hier!

Wittenbergen Am Leuchtturm

Wittenbergen Am Leuchtturm

Dachte ich.

Mit Decke unter dem Arm spazierten wir den Elbwanderweg entlang (offiziell heißt der hier Otto-Schokoll-Höhenweg, womit wir wieder beim Thema wären…), fest entschlossen, uns ein herrlich ruhiges, halbsonniges Plätzchen am Wasser zu suchen. Uns kamen nur wenige Spaziergänger entgegen, auf den Bänken am Wegesrand genossen friedliche Renter die Sonne und den Ausblick. Unten am Elbufer angekommen, machten wir einen großen Fehler und liefen weiter in Richtung Strand. Ich sah uns schon im weichen Sand liegend in die Sonne blinzeln, als ich merkte, dass etwas nicht stimmte. Der Strand war voller Menschen. Und damit meine ich nicht: es waren Menschen am Strand. Nein, ich sah sozusagen nur noch Menschen mit ein bisschen Strand darunter. Kinder planschten im Wasser, Hunde schüttelten sich neben meinen nackten Beinen trocken und bräsig auf ihrem Handtuch liegende Mütter riefen: „Justin, hör auf, das spritzt bis zu die Leute da!“ Rauchwolken mit Grill- und Zigarettenduft waberten durch die Luft. Es war die Hölle.

Wir liefen schnell weiter und entdeckten sogleich den Grund für diesen unerfreulich überbevölkerten Strandabschnitt. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich ein großer Parkplatz. Grober Anfängerfehler von uns. Wir schlugen uns durchs Gebüsch, vorbei an ein paar Halbwüchsigen, die mit ihrem beeindruckenden Verstärker dafür sorgten, dass sich niemand sonst hier niederließ. Es wurde nicht besser. Im nächsten Gebüsch lief ich fast in einen gut gebauten Badeurlauber, der sich mit heruntergelassener Hose in die Botanik erleichterte. Meine gute Laune plumpste vor mir in den Sand und verschränkte bockig die Arme vor der Brust. „Wenn wir jetzt nicht sofort hier abhauen, schreie ich“, schmollte sie und schaute mich böse an.

Wir nahmen eine Abkürzung durch den Strandhafer zum Elbe-Camp, wobei wir feststellten, dass sich in den hohen Gräsern gern einige FKK-Anhänger in der Sonne räkeln. Ich starrte stur vor mir auf den Boden und wünschte, wir wären nie losgefahren. Im Elbe-Camp war es, wie sollte es anders sein, überfüllt und keinen Deut besser als vorne am Strand. Wir tauschten einen kurzen Blick und traten den Rückzug an. Unsere 9 m² Balkon erschienen mir plötzlich wie das Paradies.

Strand Rissener Ufer

Sobald wir die Gefahrenzone verlassen hatten, beruhigte ich mich langsam wieder. Die Sonne glitzerte auf dem Wasser, Containerschiffe zogen vorbei und der Leuchtturm am Rissener Ufer schien zu murmeln: Das hätte ich Euch gleich sagen können.

Leuchtturm Rissener Ufer

Wittenbergen Containerschiff

Wittenbergen Containerschiff

P. S.:
Liebe Besitzer des Grundstücks Am Leuchtturm 1,
sollten Sie jemals Ihr Haus verkaufen wollen, schreiben Sie mir bitte eine Mail…
Liebe Grüße
Ihr elbfrollein

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