Gedanken-Ungeziefer im Honeymoon – nein danke!

Gedanken-Ungeziefer im Honeymoon – nein danke!

Dass Kofferpacken nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, habe ich Euch ja schon erzählt. Fliegen an sich finde ich wiederum überhaupt nicht schlimm. Was nervt, ist das ganze Drumherum – einchecken, für die Sicherheitskontrolle das halbe Outfit auseinander nehmen, immer wieder warten – dass es weiter geht, dass es los geht, dass wir aussteigen können, dass das Gepäck ankommt, dass wir in den Mietwagen einsteigen können.

Endlich! 20 Stunden Anreise sind überstanden. Auf halbem Weg zur ersten Unterkunft machen wir einen Zwischenstopp im kleinen Örtchen Dullstrom bei Harrie’s Pancakes: definitiv das erste Highlight dieses Urlaubs! Der perfekte Platz im Halbschatten auf der Terrasse, die Ruhe, der Milchkaffee und vor allem: die Pancakes! Ich bestelle meinen mit Banane, Zimt & Zucker und hausgemachter Karamellsauce und bin – ohne Check-In, Sicherheitskontrolle und Boarding – im Himmel.

Harrie's Pancakes
Da ist er also, der Moment, in dem ich das erste Mal fühle: Das Packen, die Strapazen und der Schlafentzug haben sich gelohnt und JETZT fängt der  Urlaub richtig an. Kennt Ihr das? Wenn man dann dem Liebsten in die Augen schaut und einfach weiß, dass die nächsten Wochen wunderschön werden? Hach.
Ich sollte versuchen, mich das nächste Mal beim Packen genau an dieses Gefühl zu erinnern. Ein Gefühl wie Pfannkuchen mit hausgemachter Karamellsauce am ersten Urlaubstag in der Sonne… Ich nehme es mir fest vor. Und merke, dass ich mir noch etwas vorgenommen hatte, unbedingt an etwas arbeiten wollte, das mir aber leider wahnsinnig schwerfällt. Nämlich den Moment zu genießen. So richtig. Nicht nur den Karamellgeschmack auf der Zunge und die Sonne in den Haaren zu spüren, sondern mit dem Kopf nirgendwo anders zu sein als in genau diesem Moment.
Wenn überhaupt, gelingt mir das meistens nur ganz kurz. Dann drängeln sich Gedanken und Fragen in meinem Kopf, ohne anzuklopfen. Können wir hier mit Karte bezahlen? Die Kellnerin hat sich eigentlich nicht viel Trinkgeld verdient. Wie müssen wir gleich fahren und wollen wir erst noch durch den Ort bummeln? Wir fahren ja noch ein ganzes Stück. Wo sind hier die Toiletten? Hoffentlich hab ich genug kurze Hosen eingepackt.
Das ist nur eine kleine Auswahl. Der Versuch, den Tumult in meinem Kopf zu stoppen, erzeugt gleich den nächsten Gedankenauflauf – der manchmal so abwegige Wendungen nimmt, dass ich nicht mehr weiß, wie ich jetzt vom Pfannkuchen zu meiner Packtechnik gekommen bin. Anstrengend ist das.
Es gibt wohl kaum eine bessere Gelegenheit, an dieser Überfunktion meines Hirns zu arbeiten, als vier Wochen Honeymoon in Südafrika. Auch wenn das Wort „arbeiten“ in diesem Zusammenhang eigentlich so gar nichts zu suchen hat.
Erster Versuch: am God’s Window den Ausblick genießen – und sonst nichts. Die Sicht ist klar, der Himmel blau – und die Touristen zahlreich. Schwierig. Ständig steht jemand im Bild. Merke: ganz im Moment zu sein bedeutet mehr, als ein möglichst perfektes Bild für Instagram zu schießen.
God's Window
Am Blyde River Canyon sind wir allein mit den Three Rondavels. Okay, und ein paar Käfern und deren krabbelnden Kollegen. So eine steinalte Felsformation hat schon eine sehr beruhigende Wirkung. Auch auf die Gedanken. Einfach dasitzen, Stille im Kopf, Kamera aus. Geht doch.
Bis der französische Reisebus sich auf den Canyonrand entleert. Bin ich froh, dass wir unsere eigene kleine Reisegruppe sind. Und dass wir nicht alles so peinlich und laut kommentieren, was wir tun. Ob wir auch so werden, wenn wir älter sind? Zack, meine Gedanken sind ein wildgewordenes Insekt. Mein schlecht erzogenes Hirn ist eine echte Herausforderung für mich. Zum Glück ist der Urlaub ja noch lang…

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