Honeymoon – das Finale in Kapstadt

Auf Kapstadt hab ich mich als Südafrika-Jungfrau am meisten gefreut. Im Nachhinein waren die Safaris im Krügerpark mein absolutes Highlight – was nicht heißt, dass die Stadt mir nicht gefallen hat (wirklich nicht, Schatz). Kapstadt ist nur ein wenig näher dran an dem, was ich vorher schon kannte. Einem Leoparden so nah zu sein, dass ich ihn atmen hören konnte, war allerdings neu für mich.


Sexy Löwen oder Leoparden bekamen wir auf der letzten Etappe unseres Honeymoons nicht mehr vor die Linse, dafür krabbelten an der Westküste ein paar gepanzerte Jungs von den „Slow Five“ vor uns über die Straße. Dazu später mehr…

Station 13 – das Finale: Thulani River Lodge in Hout Bay / Kapstadt
Ich wusste aus sicherer Quelle, dass es in der Thulani River Lodge eine abgefahrene Honeymoon-Suite gibt. Nicht dass ich abstaubermäßig unterwegs wäre und sofort beide Hände hoch reißen würde, wenn es irgendwo ein nettes Goodie umsonst gibt. Mir ist es ganz im Gegenteil schon unangenehm, einen Groupon-Gutschein einzulösen. Aber bei der letzten Station unserer Flitterwochen kam dann doch noch mal die Braut in mir durch, als Hartmut, unser freundlicher Vermieter, uns ein kleines Zimmerchen namens Springbok im hinteren Teil des River Cottage präsentierte. Zu unserem Doppelbett führte eine Holzleiter nach oben. Grundsätzlich sehr charmant, aber doch irgendwie zu weit weg davon, wie ich mir das Finale unseres Urlaubs vorgestellt hatte. Vom WLAN-Empfang ganz zu schweigen.

Zurück im Haupthaus, hielt ich meinem Schamgefühl also den Mund zu und fragte Claudia, Hartmuts Frau: „Sag mal, eure Honeymoon-Suite ist nicht zufällig frei?“ Natürlich war sie es nicht. „Aber ich kann Euch ins Elephant upgraden“, schlug Claudia stattdessen vor. Erfreut drehte ich mich nach dem Liebsten um. Ich fand ihn am Boden hockend, wo er sich von Chocolate, der Haushündin, begeistert die Hand abschlecken ließ. „Wollen wir uns das Zimmer mal anschauen?“ schlug ich ihm vor. „Geh du mal gucken, ich bin hier grad beschäftigt“, bügelte mein neuer Ehemann mich ab, ohne auch nur den Blick zu heben. Ich besichtigte Elephant und gab dem Zimmer eine 7 auf der Honeymoon-Skala von 1 bis 10. Der Liebste zeigte an der Entscheidung über den Zimmerwechsel nicht das geringste Interesse, am Hundesabber dafür umso mehr. Ich überlegte kurz, Claudia vorzuschlagen, den Liebsten – meinetwegen mit Chocolate – im Springbok einzuquartieren und nur mein Gepäck ins Haupthaus überzusiedeln. Allein die Angst vor schlechtem Karma für den Rest unserer Ehe hielt mich davon ab.

Am Abend zeigte der Ehemann sich höchst erfreut über unser Upgrade (Zitat: „Hier ziehe ich nicht mehr aus!“) und strapazierte das WLAN sogleich für einen Facebook-Post und geschätzte 15 WhatsApp-Nachrichten.

Highlights Tag 1: In der Abenddämmerung am Llandadnu Beach die Zehen in den Sand bohren, mit den Wellen ein- und ausatmen und Surfer und Paraglider beobachten. Das Gefühl, genau in diesem Moment an diesem Strand in dieser Bucht alles zu haben, was ich brauche.

Llandudno BeachDie Wolken fühlten sich auch am nächsten Morgen ganz wohl am Himmel – beste Voraussetzungen für einen Shopping-Tag! Die Geschäfte in der V&A Waterfront hauten mich nicht aus den Sneakers, was den Habenwollen-Faktor angeht – Entwarnung also für Kreditkarte und Übergepäck.

Highlights Tag 2: Karamelleis mit Meersalz im Market on the Wharf: Einer dieser Orte, an denen man sich wünscht, dass einem der eigene Bauchumfang vollkommen schnurz wäre. Ashton Kutcher in unserer Privatvorstellung von JOBS im ansonsten menschenleeren Kinosaal. Einer dieser Filme, die etwas tief im Inneren zum Vibrieren bringen und im Kopf weiterlaufen, wenn das Licht schon längst wieder an ist.

Market on the WharfIn der Nacht hörte es auf zu regnen. Stattdessen fing es an zu gießen. Von Kapstadt Downtown sahen wir nur das, was unser Regenschirm frei ließ. Wir hangelten uns von Coffee Shop zu Coffee Shop und trockneten die nassen Füße mit aller Heizungsluft, die unser Toyota Corolla zu bieten hatte.

Highlights Tag 3: Lunch in der Bree Street bei Clarke’s. Tea Time im Mount Nelson Hotel. Unser Galadinner am Kamin im Restaurant La Colombe auf dem Weingut Constantia Uitsig – ein Hochzeitsgeschenk von gut informierten Freunden. Die Kellnerin präsentierte uns die Speisekarte auf einer großen Schiefertafel und trug die Gerichte des Tages mit solcher Hingabe vor, dass ich fast applaudiert hätte. Nicht anders erging es mir nach der Vorspeise. Oder dem Hauptgang. Und beim Dessert.

Clarkes Bree Street

Mount Nelson Hotel

Am Freitag hatte unsere Schlechtwettertoleranz ihren Tiefpunkt erreicht. Wir machten uns auf die Suche nach der Sonne. Etwa 20 km außerhalb Kapstadts fanden wir sie, auf dem Weg zum West Coast National Park, und packten sie für den Rest des Urlaubs einfach ein.

Highlights Tag 4: Extra langsam fahren, weil ständig Schildkröten die Straße überqueren. Im West Coast Park leben die Slow Five: Sandhaie, Stachelschweine, Strandgräber, Wale – und Schildkröten. Etwas weniger gänsehautverursachend als die Löwenbrüder im Krügerpark, dafür trauten wir uns an die langsamen Tierchen näher heran.

Turtle West Coast ParkDer Sonnenuntergang über Kleinbaai in Bloubergstrand – für mich das perfekte Ende eines Urlaubstages, an dem man mit sandigen Füßen nach Hause kommt und den Geruch des Meeres mit ins Bett nimmt.

Sonnenuntergang BloubergstrandDie Sonne blieb tatsächlich bei uns und machte den nahenden Abschied nicht leichter.

Highlights Tag 5: Der Neighbourgoods Market in The Old Biscuit Mill im trendigen Viertel Woodstock. Die große Schwester der MarktZeit in Hamburg – ein bisschen schöner, sonniger, südafrikanischer. Frische Flammkuchen, Muffins, Burger, Waffeln, Cider, Milchkaffee. Kleider, Taschen, Bilder von lokalen Designern und Künstlern. Live-Musik. Die schöne Illusion, eine Einheimische zu sein und ab jetzt jeden Samstag herzukommen. Danach nach Clifton an den Strand fahren und das Gefühl noch ein bisschen genießen. Beim Champagne Sunset Cruise in der Table Bay wieder ganz Touri sein und nach Seehunden Ausschau halten.

Old Biscuit Mill

Clifton Beach

Sunset Cruise Table BayDie Kaptour hatten wir uns für den Abreisetag aufgehoben. Für mich war die Strecke ein kleiner Vorgeschmack auf das, was ich mir im nächsten Urlaub noch mal ganz in Ruhe anschauen möchte. Denn ein nächstes Mal muss es auf jeden Fall geben.

Highlights Tag 6: Die beiden Wale in der Hout Bay von unserem Logenplatz am Chapmans Peak Drive. Die Wellen am Kap der guten Hoffnung. Simon’s Town, St James, Muizenberg – meine Nase klebte am Autofenster, zum Aussteigen blieb keine Zeit mehr. Wir mussten unseren Flieger nach Dubai erwischen. Leider. Das Leben ist kein Honeymoon. Höchstens für ein paar Wochen…

Wal Hout Bay

Kap der guten Hoffnung

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