Schweiß, Flammen und Tränen: Noch mehr Geschichten von der Ex-Braut

Schweiß, Flammen und Tränen: Noch mehr Geschichten von der Ex-Braut

Die Deko steht, die Trauzeugen schwitzen, die Braut trägt Jogginganzug. Ungefähr an dieser Stelle hatte ich beim letzten Mal aufgehört. Eineinhalb Stunden vor unserer freien Trauung. Mir blieben neunzig Minuten für Haare, Makeup, Anziehen und Prosecco mit den Mädels. Bisschen knapp, finden die Bräute unter Euch? Last Minute ist mein zweiter Vorname.

Im Nachhinein würde ich sagen – so wie damals bei meiner Bachelor-Arbeit, bei jedem Geburtstagskuchen und fast jeden Morgen: Ich hätte lieber früher anfangen sollen. Aber manche Dinge sind eben auch bei Hochzeiten wie immer. Und außerdem: die Braut darf zu spät kommen. Nicht zu viel, sie sollte auf jeden Fall am verabredeten Ort auftauchen, bevor der Bräutigam sein komplettes Sakko durchgeschwitzt hat. Aber lieber zwei Minuten zu spät als zu früh! Wie sagte schon Juliette Gréco: Eine Frau, die pünktlich zum Rendezvous kommt, ist auch sonst nicht sehr zuverlässig.

Ein bisschen Hektik, ganz viel Aufregung und etwas Gedränge im Bad müssen sein. Meine Mädels meisterten die Herausforderungen, die Schleife am Brautkleid zu fixieren und den Blumenschmuck bewegungsunfähig in meinem Zopf zu zementieren mit links – in der rechten Hand das Proseccoglas. Ich beschloss, mich nicht darüber aufzuregen, dass die Floristin mir ein Blütenarmband gebastelt hatte, dessen überaus stabiles Drahtgestell mühelos um Vin Diesels Oberarm gepasst hätte. Der Haarschmuck hielt bis morgens um Vier.

Hochzeit BlumenschmuckHochzeit BrautkleidUnd dann: der große Augenblick. An Papas Arm zu den Pianoklängen von „A Moment Like This“ an vielen strahlenden Gesichtern vorbei auf den Liebsten zuschreiten. Kann mal jemand kurz auf Zeitlupe stellen? Der Mittelgang war flankiert von vielen kleinen Gläsern mit brennenden Teelichtern. Es sah wunderschön aus. Leider war der Gang ziemlich schmal und mein Kleid ziemlich lang. Eine der Kerzen fiel um und landete gefährlich nah an meiner Schleppe aus zartem Tüll. Dank geistesgegenwärtiger Gäste und trotz fehlenden Feuerlöschers – der passte nicht ins Farbkonzept – blieb der unerwünschte Special Effect „brennende Braut“ zum Glück jedoch aus.

Hochzeit Freie Trauung ClubzimmerUnsere Traurednerin Imke erzählte unsere gemeinsame Geschichte, wie wir sie noch nie gehört hatten, durchwebt von kleinen Beiträgen unserer Familien und Freunde. In einer Flaschenpost sammelten unsere Trauzeugen Zettelchen von den Gästen mit „Wünschen an das Brautpaar“ ein. (Wir hätten die Flasche später in die Elbe werfen sollen, was wir aber bis heute nicht übers Herz gebracht haben.) Extrem glücklich war ich darüber, dass wir uns kurzfristig doch für eine Sängerin entschieden hatten. Lamia sang „Have a Little Faith in Me“ mit so viel Hingabe, dass auch dem regungslosesten Zuhörer die Tränen in den Augen standen. Außer mir natürlich. Ich war direkt danach mit meinem Eheversprechen dran und musste mich darauf konzentrieren zu atmen. Zur Belohnung gab es dann endlich den Ring. In der Strandperle hatten wir noch keine Ringe getauscht, deswegen fühlte ich mich auch noch nicht wirklich verheiratet. In den Ring des anderen hatten wir jeweils die Lieblingszeile unseres Eheversprechens eingravieren lassen – also eine Überraschung für den Liebsten! Und ich fand, einen Hauch individueller als Name plus Datum…

Hochzeit Ringtausch

Meine Aufregung legte sich ein ganz kleines bisschen. Unsere Trauzeugen hatten noch etwas für uns vorbereitet – und konnten selber vor Aufregung kaum stehen. Um davon abzulenken, bezogen sie alle Gäste mit ein, die aufs Stichwort bunte Zettel mit der Aufschrift „Träume“, „Zeit“, „Mut“ oder „Liebe“ in die Luft hielten. Lamia sang „What a Difference a Day Makes“ – Gänsehaut Vol. 2. Zum Abschluss spielte der Pianist „Waking Up in Vegas“ und unsere beiden Blumenmädchen streuten Blütenblätter bis nach draußen vor die Tür. Gut, dass jetzt das Gratulieren dran war, denn in diesem Augenblick hätte ich einfach jeden knutschen können vor Glück.

Dieses Gefühl hielt an, bis wir im Morgengrauen ins Bett fielen und war beim Aufwachen gleich wieder da. So intensiv, dass Taschentücher gebraucht wurden. Also falls unter Euch ein paar Bräute sind, die sich ab und zu fragen: wozu all der Stress? Die Antwort lautet: für dieses Gefühl, für diese Momente, für Erinnerungen, die Ihr auch mit 85 wieder aus dem Fotoalbum und dem Herzen hervorkramen könnt. Dazu braucht es keine Candybar in Pastellfarben und auch keine Servietten mit eingesticktem Logo aus den Initialen des Brautpaars. Teilt Euer Glück mit den Menschen, die Euch wichtig sind. Alles andere ist Nebensache.

Hochzeit Elbe

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4 Gedanken zu “Schweiß, Flammen und Tränen: Noch mehr Geschichten von der Ex-Braut

  1. Hallo liebes Elbfrollein,
    Herrlich erfrischend dein Post. Er hat mir wieder Lust aufs Heiraten mit allem drum herum gemacht. Unsere Locationsuche stelle sich als sehr schwierig heraus. Jetzt haben wir was schönes in unserer Heimat für unsere freie Trauung gefunden und auch endlich den Termin.
    Und da wir im April nun von Stuttgart nach Hamburg umziehen werden, liebäugle ich mit der Strandperle für die standesamtliche Trauung. Hast du damals erst bei der Strandperle angefragt oder direkt beim Standesamt in Altona?
    Ich als Bald-Hamburgerin kann Stunden auf deinem Blog verbringen und ich freue mich schon sehr die vielen tollen Cafés und Lädchen zu besuchen.
    Liebe Grüße,
    Anna Julie

    • Liebe Anna Julie,
      ich freue mich sehr, dass mir Dein Post gefällt und Du wieder richtig Lust aufs Heiraten bekommen hast! Heiraten ist nämlich toll 🙂 Und auch die Zeit davor ist so schön und aufregend… Wegen der Strandperle: am wichtigsten ist es, den Termin mit dem Standesamt einzutüten. Danach klärst Du alles mit der Strandperle – das läuft komplett separat, die beiden sprechen quasi nicht miteinander. Bei uns hat es aber alles super geklappt, auch mit der Standesbeamtin waren wir zufrieden.
      Ganz viel Spaß Euch bei den Vorbereitungen!
      Liebe Grüße
      Astrid

  2. Ich habe eben Gänsehaut beim lesen von deinem Post gehabt. Unser grosser Tag findet im Mai statt und wenn ich solche Posts lese, freue mich riiiesig darauf. Danke für deine Impressionen.

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