Von Wollmäusen und guten Feen: Putzfrau, verzweifelt gesucht!

Das Waschbecken im Bad ist die Leinwand für ein abstraktes Kunstwerk aus Kalkrändern und Zahnpastaspuren. Wollmäuse bilden feindliche Armeen in allen vier Ecken des Wohnzimmers. Das Chaos in der Küche ruft von selbst den Pizza-Service.Helpling

Nach einer Weile fällt das gar nicht mehr so auf, man gewöhnt sich daran – ist ja nur der eigene Schmutz. Gestern musste ich schon wieder so lange arbeiten, das Wochenende war voll mit Terminen und Verabredungen, den Adventskalender musste ich fertig machen, Weihnachtsgeschenke kaufen, Plätzchen backen… Putzen? Steht immer auf der To-Do-Liste. Kann aber nie ganz abgehakt werden.

Ich vertraue mal darauf, dass es Euch zumindest ähnlich geht und Ihr mich jetzt nicht für eine faule Drecksau schlechte Hausfrau haltet. Bitte sagt ja?

Irgendwas ist ja immer schmutzig, selbst wenn man gerade zwei Stunden den Lappen geschwungen hat und die Hände zum Dank nach Gummihandschuhen müffeln. Es fühlt sich großartig an, in einer blitzblank gewienerten Wohnung die makellosen Oberflächen zu bewundern, anstatt krampfhaft Flecken, Fusseln und Krümel zu ignorieren. Nur wie?

Einen festen Putztag pro Woche einführen, am besten gemeinsam mit dem Partner oder sonstigen Mitbewohnern – machen wir uns nichts vor. Wer das schafft, sollte Ratgeberbücher über Zeitmanagement und konstruktives Streiten schreiben und seine Zeit nicht mit Staubsaugen verbringen.

Eine Putzperle engagieren, die regelmäßig die Bude auf Vordermann bringt? Ich hab es versucht. Und es hat sogar geklappt, jeden zweiten Mittwoch war meine Wohnung so makellos, dass selbst Bree van de Kamp entzückt gewesen wäre. Bis meine Perle ihren Wohnsitz zurück in die sonnige Türkei verlegte.

Einen Ersatz findet man nicht einfach so, man muss Freunde und Kollegen belauschen, mit Selbstgebackenem bestechen und mit allen Tricks überreden, die Telefonnummer ihres treuen Hausgeistes zu verraten. Und selbst dann kann es sein, dass der schon ausgebucht ist. Oder nur spanisch spricht. Außerdem: legal ist das alles nicht. Meine vorbildliche Oma, Mitte 80, hat ihre Haushaltshilfe offiziell angemeldet – um die notwendigen Formulare korrekt auszufüllen, hätte sie am besten auch gleich jemanden eingestellt.

Ich will doch nur eine saubere Wohnung!

Die Rettung kommt per E-Mail. Helpling vermittelt qualifizierte Reinigungskräfte, mit wenigen Klicks stellt man sich sein Putzpaket nach Wunsch und zum Festpreis zusammen. Vollkommen legal und von der Steuer absetzbar. Das muss ich testen! Ich buche mir für drei Stunden einen Helpling, wähle ein Zeitfenster, das mir passt – denn beim ersten Mal möchte ich natürlich zu Hause sein. Auftrag abgeschickt. Das war einfach.

Oje, was das wohl wird? Mit Reinigungsfirmen habe ich keine positiven Erfahrungen gemacht. Die guten Feen im Büro wischen stets weiträumig um Tastaturen und Lampen herum und züchten in Schreibtischecken und auf Monitorfüßen zentimeterdicke Staubschichten heran. Wasserschlieren auf Spiegelflächen gehören zum Standard und der wichtigste Grundsatz scheint zu lauten: Bloß nichts anfassen!

Ich habe also gemischte Gefühle, als mein Helpling – pünktlich auf die Minute – an der Tür klingelt. Sie hat sich extra Hausschuhe mitgebracht, lässt sich durch die Wohnung führen und fängt dann einfach an. Sie scheint genau zu wissen, was zu tun ist. Ich setze mich wieder an den Rechner und kann in Ruhe arbeiten. Bis auf den Staubsauger höre ich kaum etwas. Nach zweieinhalb Stunden werde ich schüchtern aus dem Arbeitszimmer geschickt – das soll ja auch geputzt werden. Ich schleiche durch meine saubere Wohnung und streiche heimlich über ein paar Möbel. Nichts. Sogar das Edelstahl-Ungetüm von Dunstabzugshaube sieht aus wie frisch geduscht.

Nach exakt drei Stunden verabschiedet sich mein Helpling. Bezahlen kann man vorab, zum Beispiel per PayPal. Abgebucht wird hinterher. Diskussionen, die mit „Schatz, hast du noch Bargeld, die Putzfrau kommt heute!“ anfangen, entfallen also auch. Easy. Und: ja, ein Helpling kostet etwas mehr als auf dem Schwarzmarkt üblich. Ein reines Gewissen gibt es nicht umsonst. Aber Ihr bekommt 20 % vom Finanzamt zurück. Dann passt es wieder.

Ich räume ein paar Dinge wieder an ihren Platz – hier wurde eindeutig gründlich geputzt und nicht drumrum gewischt. Vom Spiegelschrank im Bad segelt mir ein zarter Staubregen entgegen – aber der hängt so hoch, da hätte ich wahrscheinlich einen mindestens 1,85 m großen Helpling anfordern müssen. Ansonsten: nichts. Nichts zu meckern! Alles sauber. Und so ordentlich – alles, was an Krimskrams, Papieren und Klamotten in der Wohnung herumflog, habe ich natürlich vorher aufgeräumt. Ordentlich sein, kann ich. Man muss mich nur zwingen.

Mein Fazit: spätestens wenn Omi zu Besuch kommt oder die Wollmäuse im Flur Polonaise tanzen, werde ich mir wieder einen Helpling buchen. Als Stammkunde bekommt man nach Möglichkeit natürlich immer denselben. Hach, an so eine komplett geputzte, gesaugte und gewischte Wohnung könnte ich mich gewöhnen…

Die Reinigungskraft wurde mir von Helpling zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung wurde dabei keinerlei Einfluss genommen. | Foto: Helpling

2 Gedanken zu “Von Wollmäusen und guten Feen: Putzfrau, verzweifelt gesucht!

  1. Liebe Astrid,
    schön zu hören, dass es nicht nur mir/uns so geht. Bei uns bleibt auch so viel liegen, weil im Moment so viel anliegt und im Dunkeln putzen macht auch so wenig SInn. Eigentlich geht es immer nur mit Druck, dann klappt es plötzlich…
    LG Stephi

  2. Genial! Danke für’s Ausprobieren!!! Wir brauchen voraussichtlich ab Februar/März eine Putzfrau /(wir bauen noch um…) und das klingt doch nach einem tollen Konzept mit einem absoluten fairen Preis.

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