Hamburgs neuer Schokohimmel

Laederach_Chocolaterie_HamburgWenn man es geschafft hat, ein paar Wochen lang auf Zucker zu verzichten, darauf ein bisschen stolz ist und es für möglich hält, das Ganze zur Gewohnheit zu machen – und dann eine Einladung bekommt zu einem Schokoladen-Workshop mit Blick auf die Binnenalster: Ist das ein Wink des Schicksals oder eine Belastungsprobe? Wer kann denn da Nein sagen? Ich jedenfalls nicht. Ausnahmen müssen erlaubt sein, erklärte ich dem schlechten Gewissen, während ich per Mail meine Zusage verschickte.

Im Frühjahr hat die Schweizer Schokoladenmanufaktur Läderach am Jungfernstieg eine Chocolaterie eröffnet, inklusive Choco-Atelier im 1. OG. Wäre es hier nicht so clean, modern und puristisch, würde man erwarten, dass jeden Moment Juliette Binoche hinter der Theke erscheint und einen heißen Kakao mit Chilipfeffer anbietet. In diesen Räumen weht der Duft aus dem Film „Chocolat“. So intensiv und betörend, dass bereits das Atmen gegen mein selbstauferlegtes Süßigkeitenverbot verstößt. Aber das ist es mir wert.

Im ersten Stock steht ein Schoko-Brunnen am Panoramafenster. Aus zwei massiven Hähnen fließt glänzende Couverture. Mein schlechtes Gewissen liegt irgendwo unten im Erdgeschoss. Wir erfahren, wie die Läderach Schokolade entsteht und naschen dabei Pralinen, Schoggi-Küsse, weiße, helle, dunkle Schokolade mit Himbeer- und Brombeerstückchen, Nuss und Karamell. Doch, ich habe auch zugehört. Bitte sehr:

  1. Ein Kakaobaum trägt pro Jahr etwa 40 Früchte. Jede Frucht enthält 20 bis 60 Kakaobohnen. Für die Herstellung von 100 Gramm „FrischSchoggi“ werden etwa 50 Kakaobohnen benötigt.
  2. Wie zu Zeiten der Azteken wird auch heute noch von Hand geerntet. Haupt-Erntezeit sind die Monate Oktober bis März.
  3. Während der Gärung nach der Ernte fließt das Fruchtfleisch ab und Vorstufen des Geschmacks entstehen, aus denen sich später beim Trocknen und Rösten das Kakaoaroma entwickelt.
  4. Die Kakaobohnen werden in der Sonne getrocknet, bis sie transportfähig sind. In Jutesäcken verpackt reisen sie per Schiff in die Schweiz.
  5. In der Läderach-Schokoladenfabrik kontrollieren Experten Größe, Geruch, Farbe und Bruchfestigkeit und führen eine Test-Röstung durch. Nur wenn die Qualität der Kakaobohnen stimmt, wird Schokolade aus ihnen.

Laederach_Hamburg

FrischSchoggi? Bitte was? In der Schweizer Schokoladenmanufaktur vereinen sich ausgewählte Zutaten wie französischer Holunder-Honig oder Haselnüsse aus dem Piemont mit hochwertiger Schokoladenmasse. Die Nüsse werden selbst geröstet und karamellisiert und fast alle Zutaten, anders als bei der industriellen Herstellung, von Hand unter die Schokoladenmasse gezogen. Durch den hohen Anteil an Nüssen, Früchten und anderen Zutaten, gemischt mit der Frische der Schokolade, schmeckt die FrischSchoggi intensiver und überzeugt selbst anspruchsvollste Genießer. Mich zum Beispiel.

An der Frischetheke der Hamburger Chocolaterie und wird sie in Stücke gebrochen verkauft. 24 verschiedene Sorten: von knuspriger Florentiner-Milch und cremiger Fudge Caramel in Milchschokolade über Früchte-Mix in weißer Schokolade bis hin zu pikanter Chili-Limette und rosa Pfeffer-Erdbeer in dunkler Schokolade. Okay, genug gegessen. Wir dürfen unsere eigene Schokolade kreieren!

Schoko_Workshop_Hamburg

Mit weißer Couverture schminke ich als erstes meine Form. Mein Motiv: Anker und Herzen – na klar, was sonst? Bei der Füllung kann ich mich nicht festlegen und entscheide mich für eine Schokolade mit gespaltener Persönlichkeit. Eine Hälfte vermische ich mit Erdbeerstückchen, die andere mit Salz-Karamell. Ab in die Kühlung damit. Die herzhaften Häppchen sind jetzt sehr willlkommen. Obwohl, ich habe noch gar nicht alle Sorten der kleinen Schokoküsse mit dem schönen Namen Mini Mousses probiert. Jule vom Crafty Neighbours Club und ich teilen schwesterlich.

Die fertige Schokolade dürfen wir mit nach Hause nehmen. Heute kann ich bestimmt nichts mehr davon essen. Aber morgen Abend. Und übermorgen. Ich gebe dem Mann natürlich ein Stück zu probieren. Mist, er mag sie auch. Ein paar Tage später passt meine Freundin auf unseren Kleinen auf, während wir Burger essen gehen. Unter meinem Hamburger-Post bei Instagram kommentiert sie: „Ich esse gerade deine ganze Schokolade auf!“ Ich brauche also Nachschub. Mal schauen, ob die Schoggi von der Frischetheke genauso lecker schmeckt wie meine Eigenkreation. Und ob ich mich für eine Sorte entscheiden kann.

Choco_Atelier_Hamburg

Wenn Ihr jetzt auch Lust habt auf Eure ganz persönliche Tafel Schokolade: Ihr könnt jederzeit die netten Mädels an einem der schönsten Arbeitsplätze der Stadt besuchen (Schokoladenduft UND Alsterblick!!) und im Choco-Atelier bei einer Tasse Kaffee so schwerwiegende Entscheidungen treffen wie: Dunkel oder hell? Himbeere oder Brombeere? Gleich essen oder mitnehmen? Pralinen dazu? Das schlechte Gewissen solltet Ihr auf jeden Fall zu Hause lassen.

Fotos: Läderach | Elbfrollein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s