Junggesellinnenabschied in Hamburg: 3 No-Gos + 5 Tipps

Drachenboot_HamburgIn Hamburg sieht man sie im Sommer jedes Wochenende durch die Innenstadt und über den Kiez ziehen: fragwürdig angezogene Männer und Frauen, die sich einen Tag lang zwecks Erheiterung ihres betrunkenen Freundeskreises blamieren dürfen. Letzter Tag in Freiheit. Darauf einen Kurzen! Die johlende Meute macht vor nichts Halt – Peinlichkeiten füllen die Partykasse. Hochzeiten liegen voll im Trend und sind alles andere als altmodisch und spießig. Aber vor dem eigenen Junggesellinnenabschied haben die meisten Bräute nach wie vor ein wenig Angst.

Was dagegen hilft? Ganz wichtig: die richtige Trauzeugin auswählen. Die Freundin, die weiß, dass Bollerwagen und Bauchladen keine Option sind. Die Freundin, die zuhört, wenn die Braut durchgibt, was sie sich wünscht und was sie auf keinen Fall möchte. Andernfalls gibt es auf der Hochzeit garantiert einen Baumstamm zum Zersägen und Spiele mit verbundenen Augen und Sahnetorte. Aber halt, in dieses Horrorkabinett wollte ich nicht abbiegen. Bollerwagen, Bauchladen, Baumstamm – steht alles mit Ausrufezeichen auf der No-Go-Liste.

Hamburg hat mehr zu bieten als die Schanze und den Kiez und lässt sich am besten ohne Hasenkostüm entdecken. Ich war im August auf einem Junggesellinnenabschied in Hamburg und fühlte mich dabei als Tourist in meiner eigenen Stadt – auf eine gute Art. Die beste Entscheidung: nicht zu Hause zu schlafen, sondern im Hotel. Unser Treffpunkt war das Scandic Emporio an der U-Bahn-Station Gänsemarkt. Gleich nach dem Einchecken, als ich meinen Koffer im Zimmer abstellte, war ich ganz weit weg vom Alltag und voll auf ein unvergessliches Mädels-Wochenende eingestellt. Bei dem Wetter und dem Ausblick nicht schwer!
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Wir begrüßen die Braut mit Prosecco und Muffins. Den Termin hatte die Trauzeugin ihr verraten, nicht aber das Programm. Sie gesteht: „Ich konnte vor Aufregung nicht schlafen!“ Ich finde, es spricht überhaupt nichts dagegen, die Braut mit ein paar Eckdaten zu versorgen, wenn sie sich damit besser fühlt. Für kleine Überraschungen gibt es trotzdem noch genug Gelegenheit.

Unser erstes Ziel: der Osterbekkanal in Barmbek. Bevor wir unser Drachenboot entern können, müssen wir es mit vereinten Kräften ins Wasser schaffen. Als wir alle im Boot sitzen, loben uns die Jungs vom Verein Drachenboot für Hamburg: „Wenn wir hier Junggesellenabschiede haben, kommen die meisten schon betrunken bei uns an. Mit euch macht das echt Spaß.“ {Haben die uns gerade langweilig genannt?!}

Wir paddeln los in Richtung Stadtparksee. Auch wenn es klingt wie ein Klischee: Hamburg ist vom Wasser aus einfach wahnsinnig schön. All die Wohnungen am Kanal, mit Blick aufs Wasser und teilweise mit Bootsanleger – wer wohnt da und wieso nicht ich?

Unsere Braut bekommt unterwegs Fragen gestellt. Als ihr nicht einfällt, wie Hamburgs berühmtester Seeräuber heißt (na?), muss sie die Besatzung eines der anderen Boote dazu bringen, für uns „What shall we do with a drunken sailor“ zu singen. Easy. Die Jungs sind schon betrunken und schaffen es fast bis zum Ende der zweiten Strophe, bevor sie ihr Tretboot zielsicher ins Gebüsch steuern. Wir müssen dann mal weiter.

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Auf der Wiese am Stadtparksee machen wir eine Pause mit Picknick. Direkt neben uns: auch eine JGA-Gruppe. Hier feiern Braut und Bräutigam gemeinsam mit ein paar Freunden. Wer’s mag – erlaubt ist alles!

Am Goldbekufer entlang geht es weiter. Unser kleines Motivationstief überbrücken wir, indem wir im Takt unserer Paddelschläge Drinks aufzählen. Zu „GIN! TONIC!“ paddeln wir am Café Canale vorbei. Ob jemand blöd geguckt hat? Was für eine Frage. So ganz ohne Blamage ist ja auch langweilig.

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Unsere Bootstour dauert länger als gedacht. Als unser „Sturmdrache“ wieder im Trockenen liegt, ist es höchste Zeit, ins Hotel zu fahren. Kurz frisch machen, bevor das Abendprogramm beginnt. Wie gern würde ich jetzt in die Sauna gehen und mich auf diesem gemütlichen Bett ausstrecken, statt schnell unter die Dusche zu springen! Aber keine Chance.

Überraschung für die Braut: Wir gehen nicht einfach nur essen, sondern haben einen Privat-Kochkurs im Kochhaus Eppendorf gebucht. Wir werden mit Apérol Spritz und Rhabarberschorle (für die Schwangeren) empfangen. Es duftet köstlich – unser Koch Thomas Dippel hat schon einiges vorbereitet. Wir kochen ein 3-Gänge-Menü:

Ziegenkäse mit Thymianhonig in Filoteig mit Schalottenmarmelade, Rucolasalat und Balsamico-Reduktion

Kalbsrückensteak an Balsamicojus mit Honig-Paprika und Kartoffel-Olivenstampf

Lavendel-Crème Brûlée mit frischen Erdbeeren

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Am großen Küchenblock fühlen wir uns fast wie Profi-Köche. Leere Gläser werden wie von Zauberhand wieder aufgefüllt und es stört kein bisschen, dass es bereits nach 22 Uhr ist, als wir für die Vorspeise Platz nehmen. Das Tolle: Wir dürfen sitzen bleiben. Thomas kümmert sich um den Rest, räumt auf, richtet an und serviert. Genau richtig, diese Mischung aus selbst aktiv sein und sich verwöhnen lassen. Als wir unser Dessert genießen, hat Thomas längst jegliche Spuren in der Küche beseitigt. Guter Mann!jga_hamburg_0003

Die Party kann los gehen. „Äh – Party?“ fragt die Mutti auf Schlafentzug in mir. „Im Hotel warten dieses riesige Bett und diese himmlische Ruhe auf mich…“ Ich ignoriere die Stimme. Okay, die Schwangeren sind entschuldigt, Hut ab, dass die beiden so lange durchgehalten haben und nicht längst unter dem Tisch eingeschlafen sind. Aber auf keinen Fall ziehe ich jetzt die Mama-Karte, no way. Wir quetschen uns zum Partyvolk in die U3. Ich habe nicht genug Alkohol getrunken, um mich zwischen den Jungs und Mädels mit Beck’s-Flaschen in der Hand nicht alt zu fühlen. Unsere Braut ist topfit und zu allem bereit.

Samstagnacht, ca. 1:30 Uhr, Rosi’s Bar auf dem Hamburger Berg. Ein klebriger Aufguss aus Schweiß und Alkohol hängt in der Luft. Wer hier schlapp macht, kann zumindest nicht umfallen. Dafür ist kein Platz. Auf der Theke steht eine Runde Mexikaner für uns. Okay, aus der Nummer komme ich nicht raus. Wir stoßen an: Auf das Leben, auf die Liebe. Und auf die Freiheit. Die Braut und der harte Kern feiern weiter, bis über dem Fischmarkt die Sonne aufgeht. Ich schnappe mir ein Taxi und hänge wenige Minuten später das „Do not disturb“-Schild an meine Zimmertür. {Kostet mich keine 10 Euro! Wie nah Kiez und Gänsemarkt nachts doch beieinander liegen.}
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Meine innere Uhr weckt mich früher, als mir lieb ist, aber so bleibt Zeit für ein kleines Frühstück im Innenhof des Scandic, bevor wir uns mit den anderen Mädels im Glück und Selig treffen. Nur der Sonntagmorgen und ich, dazu Cappuccino und Obstsalat. Kein Kater. Kein klebriges kleines Krümelmonster im Kinderstuhl. Luxus pur!

Im Glück und Selig würfelt sich unser Grüppchen neu zusammen. Einige konnten gestern nicht dabei sein, haben es aber heute zum Frühstück geschafft – und umgekehrt. Der harte Kern erscheint verständlicherweise etwas später, dafür allerdings mit überraschend unzerknautschten Gesichtern. Die Braut hat maximal zwei Stunden geschlafen und sieht aus wie frisch gebügelt. Sie ist rundum happy mit ihrem JGA-Wochenende. Und genau das ist es, was am Ende zählt.

5 Tipps für die JGA-Planung

Wer jemals einen Junggesellinnenabschied organisiert hat, weiß, was für eine – sorry – Bitch dieses Projekt sein kann. Fühlt sich oft so an wie die Sache mit dem Sack und den Flöhen. Es hilft sehr, sich bei der Planung an ein paar Basics zu halten. Hier kommen meine 5 Tipps für Euch, falls Ihr gerade als Trauzeugin einen JGA plant oder selbst ein wenig Angst habt, was da auf Euch zu kommt:

  1. Braut & Trauzeugin als Dreamteam
    Die Trauzeugin ist nicht dafür da, möglichst viel vor der Braut geheim zu halten. Sondern vor allem für eines: dafür zu sorgen, dass die Braut sich wohlfühlt. Immer!
  2. Überraschungen sind kein Must-Have beim JGA
    Die Braut liebt Überraschungen? Wunderbar, dann weiß sie von nichts, bis plötzlich alle Mädels vor ihrer Tür stehen, um sie irgendwohin zu entführen. Die Braut findet Überraschungen ungefähr so toll wie ein Brazilian Waxing? Dann muss die Arme mit der notwendigen Dosis an Informationen beruhigt werden, bis sie wieder normal atmen kann. Und schlafen. Hallo, Schönheitsschlaf! Der hat Prio 1 bei jeder Bride to be.
  3. Nicht zu viel planen
    Wir hatten ursprünglich überlegt, zwischen Drachenboot und Kochkurs eine Wellness-Einheit im Nivea-Haus einzuplanen. Glücklicherweise haben wir uns dagegen entschieden. Das hätten wir nie geschafft. Und es ist so viel besser, unverhofft Zeit zu haben für eine Runde Drinks, einen Kaffee oder zum Füße hochlegen, als sich stressen zu müssen, um die Agenda abzuarbeiten.
  4. Jeder, wie er mag
    Unser Grüppchen veränderte sich im Laufe des Tages immer wieder. Es ist unglaublich schwer bis unmöglich, ein Wochenende zu finden, an dem alle uneingeschränkt Zeit haben. Wir hatten deshalb über Doodle die Möglichkeit, uns für die einzelnen Aktivitäten anzumelden. Und wenn man nur kurz vorbei schaut, um mit allen anderen die Braut zu begrüßen, dann aber leider wieder verschwinden muss – immer noch besser, als ganz absagen zu müssen.
  5. Das Ziel: eine glückliche Braut
    Bitte nie aus den Augen verlieren. Es muss keinesfalls der verrückteste und teuerste Junggesellinnenabschied ever werden und ganz bestimmt nicht der betrunkenste. Die Nacht muss nicht in der VIP-Lounge des angesagtesten Clubs enden und falls Ihr überlegt, eine Limousine zu mieten – bitte tut das nicht. Macht einfach nur das, was die Braut wirklich mag. Dabei hat sie garantiert den größten Spaß. Unsere Braut liebt den Kiez und feiert von Herzen gern bis in die Morgenstunden. Wenn Eure Braut am liebsten zu Hause Serien schaut und nach Mitternacht die Augen nicht mehr offen halten kann – dann ist ein anderes Programm gefragt!

Herzlichen Dank ans Scandic Hamburg Emporio für die Einladung zur Übernachtung.

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