Urlaub mit Kind: Ist plötzlich alles anders? 6 wichtige Erkenntnisse.

urlaub_mit_kind_norderney_0003Bei unserem ersten Urlaub zu dritt, im Sommer 2015, war unser Sohn keine drei Monate alt. Wir befanden uns in einer Art Blase (mit sehr viel Gepäck) und waren noch nicht richtig angekommen in dieser neuen Welt, in der auf einmal ganz andere Dinge wichtig sind als früher. Wir legten uns nach dem Frühstück an den Pool, machten Ausflüge und gingen abends mit Freunden essen. So, wie wir es kannten. Es lief irgendwie alles, nur dass es ein bisschen anstrengender war als sonst, weil immer jemand brüllte, die Windel voll hatte oder im Kinderwagen geschoben werden wollte.

Dieses Jahr mieteten wir im September eine Ferienwohnung auf Norderney. Unser dritter Urlaub als Familie. Und wir hatten viel gelernt in den letzten eineinhalb Jahren.

Früher habe ich es nie verstanden, wenn Eltern Sätze gesagt haben wie: „Mit Kind(ern) wegzufahren, ist ja kein richtiger Urlaub.“ Ich fand das irgendwie garstig. Nur, weil man morgens nicht mehr bis 11 Uhr schlafen kann, schiebt man die Kleinen doch nicht zu den Großeltern ab! Nun, wie gesagt. Ich habe viel gelernt in der letzten Zeit.

Wer Nachwuchs erwartet, stellt sich früher oder später diese Fragen: Ist Urlaub mit Kindern etwas komplett anderes? Kann man nichts mehr so machen wie früher? Oder stellen sich Eltern, die so etwas behaupten, nur an?


Für mich gibt es fünf Erkenntnisse, die ich zum Thema Urlaub mit Kindern gewonnen habe, seit ich Mama bin. Jede davon ist eine Antwort auf genau diese Fragen.

1. Fliegen mit Kleinkind ist kein Problem.
Nein, mit Kind zu fliegen ist wirklich kein Problem. Es gibt ja Sperrgebäck und das mit dem Druckausgleich bei Start und Landung ist halb so wild. Aber ist es nicht herrlich, das eigene Auto vollzupacken bis zum Rand und einfach loszufahren? Niemand will die Koffer wiegen oder das Handgepäck nach Flüssigkeiten durchsuchen. Ich sag mal so: Wer schon immer gern geflogen ist und den Abläufen an internationalen Flughäfen etwas Positives abgewinnen kann, dem wird das Ganze auch mit Kind nur wenig ausmachen. Wer Fliegen an sich eher stressig findet, dem kann ich verraten: Einfacher wird es nicht, wenn auf einmal kleine Menschen in Windeln zur Reisegruppe gehören.

Norderney war für mich deshalb das perfekte Reiseziel. Weit genug weg von zu Hause, um als ernstzunehmender Urlaub durchzugehen. Mit dem Auto in weniger als vier Stunden zu erreichen, so dass ein ausgedehntes Mittagsschläfchen während der Fahrt schon die halbe Miete ist. Und: Auf der Insel ist kaum Verkehr, man darf aber mit dem Auto bis zur Unterkunft fahren, um das Gepäck auszuladen. Das ist wichtig, wenn man nicht mit Babybadewanne unter dem Arm auf die Fähre steigen möchte.

2. Das mit dem Gepäck wird besser.
Besser? Ja. Weniger? Eher nicht. Man gewöhnt sich eben daran, dass man für einen klitzekleinen Menschen mehr einpacken muss als für zwei Erwachsene zusammen. Wickeltasche, Wechseloutfit und Snacks sind ja sowieso immer dabei, auch wenn man nur mal kurz vor die Tür geht. Man sieht es gelassen, dass man ständig Unmengen an Zeug mitschleppt, überall Schnullis findet, egal, was man gerade sucht, und fragt sich nicht mehr so oft: „Sind wir eigentlich bescheuert?“ Nein. Sind wir nicht. Nur gut vorbereitet.

3. Ein Hotelzimmer mit Kleinkind ist keine gute Idee.
Am Anfang war es gar kein Problem, im Urlaub mit dem Baby in einem Zimmer zu schlafen. Er war mit uns unterwegs, bis wir selbst ins Bett gingen, und hätte nicht einmal ein Reisebettchen gebraucht. Die Kinderwagenschale reichte dem kleinen Wurm völlig. Mit einem Jahr sah das allerdings anders aus. Feste, gut funktionierende Schlafenszeiten sind bei den meisten Eltern ja ein Grund für Freudentränen – doof allerdings, wenn man sich ab 19 Uhr nur noch flüsternd unterhalten, auf Zehenspitzen durchs Zimmer schleichen und die Toilettenspülung ausschließlich in sehr dringenden Fällen benutzen darf. Sei’s drum: Wir ließen die Babyphon-App laufen und gingen im Hotelrestaurant essen. Super Plan, dachten wir. Bevor wir die Preise auf der Speisekarte gesehen hatten. Okay, also keine Lösung für jeden Abend. Für den Rest des Urlaubs improvisierten wir und beschlossen: Ab jetzt buchen wir Apartments.

Auf Norderney hatten wir eine Ferienwohnung mit zwei Schlafzimmern und einem Wohnzimmer. Wie zu Hause also. Nur besser: Wir gingen sogar abends aus. Dazu gleich mehr.urlaub_mit_kind_norderney_0001

4. Am Pool liegen und lesen? Kann man vergessen.
Das ist die grausame Wahrheit. Außer, es ist gerade Zeit fürs Mittagsschläfchen. Oder man wechselt sich ab. Einer bespaßt das Kind, der andere darf sich entspannen. Mal kurz. Bestimmt gibt es Kinder, die eine halbe Stunde lang glücklich auf einer Decke zwischen zwei Sonnenliegen sitzen, sich mit mitgebrachtem Spielzeug beschäftigen oder verträumt in den Himmel gucken. Ich kann bei dieser Vorstellung nur lachen. Wir haben genau das versucht. Alle zehn Sekunden ist einer von uns aufgesprungen, damit der Kleine nicht in den Pool krabbelt, in die Randbegrünung beißt oder die Sonnenmilch austrinkt. Ja, das sind alles nur Phasen, ich weiß. Mittlerweile besteht keine Gefahr mehr, dass mein Sohn in den Pool krabbelt. Er kann jetzt laufen.

Mir war vorher übrigens nicht klar, dass es auf Norderney die allerschönsten Strände Deutschlands gibt – soweit ich das beurteilen kann. Absolut großartig. Perfekt, um dort stundenlang im Strandkorb zu lesen, zu dösen, zu schlafen und auf die Nordsee zu gucken. Oder um einem kleinen Jungen und seinem Plastikeimer hinterherzulaufen. Unser Nachwuchs liebt das Meer genauso wie wir und das mitanzuschauen, ist hinreißender, als jede Strandlektüre es sein könnte. Großer Vorteil: Im Sand büxen die Kleinen nicht ganz so schnell aus und sie kriegen erstmal nur nasse Füße, statt gleich in den tiefen Pool zu plumpsen. Wertvolle Sekunden!urlaub_mit_kind_norderney_0002

5. Im Urlaub ausgehen? Unbedingt!
Wir hatten ein Apartment im Sommerloft auf Norderney gebucht. Kann ich allen sehr empfehlen, die etwas für Interior-Design im Scandi-Style übrig haben. Ich hätte gern den Holzboden mitgenommen, die Zimmertüren, die Balkonmöbel – eigentlich alles. Unser Apartment war aber nicht nur hübsch und supergemütlich, sondern auch strategisch perfekt gelegen. Die Insel ist ja relativ übersichtlich, für meinen Plan kam es allerdings auf jeden Meter an. Wir wollten abends essen gehen – zu zweit. Es mussten sich also Restaurants in unmittelbarer Nähe befinden, damit wir bei Bedarf schnell am Kinderbett sein konnten, als wäre nichts gewesen. Und was hatten wir für ein Glück: Direkt um die Ecke lag Hausmanns Kost&Deli, ein wunderschönes kleines Bistro, das sich in der Hamburger Schanze vor Gästen garantiert nicht retten könnte. Wir waren vom ersten Abend an verliebt. Per Telefon waren wir mit dem Lütten verbunden, der oben im Kinderzimmer vor sich hin schnorchelte. Ich hatte mein iPhone auf laut gestellt, hielt es mir aber trotzdem immer wieder ans Ohr – man traut dem Frieden ja nie so ganz. Es blieb aber alles ruhig, wir bestellten sogar ganz übermütig Dessert.

An einem einzigen Abend, wir saßen ausnahmsweise beim Italiener, drang ein kurzes Quaken aus meinem iPhone, das vor mir auf dem Tisch lag. „Huch, was war das denn?“ fragten die Damen am Nebentisch überrascht. Ich presste mir mein Telefon ans Ohr. Noch ein zaghaftes, leises Quaken, dann war es wieder ruhig. Nur ein kleiner Soundcheck also. Wir beeilten uns trotzdem auf dem Heimweg.

Die Freiheit, abends mit dem Liebsten ganz in Ruhe essen zu gehen, war mit das Schönste an diesem Urlaub. Mehr wollte ich gar nicht. Wer braucht Bars und Clubs, wenn er ein kleines Überraschungsei zu Hause hat, das immer mal spontan die Nacht zum Tag macht?urlaub_mit_kind_norderney_0004

6. Mittagsschläfchen sind das neue Ausschlafen
Normalerweise nutzt man diesen wertvollen Zeitraum ja als produktivste Phase des Tages. Mails beantworten, Ablage sortieren, Social Media checken – man schafft oft mehr als früher an einem ganzen Arbeitstag. Aber bitte nicht im Urlaub. Es gibt fast nichts Herrlicheres, als sich mittags neben dem Lütten noch mal ins Bett zu kuscheln. Vor allem an den Tagen, an denen er das Frühstück für 5:17 Uhr angesetzt hat. Selbst wenn ich nicht todmüde bin, liebe ich es, seinen Schlafgeräuschen zu lauschen und zu lesen oder einfach nur neben ihm zu liegen. Schlafenden Kindern verzeiht man alles. Und denkt auf einmal streichelweiche Gedanken. Zum Beispiel, dass Urlaube früher doch irgendwie sterbenslangweilig gewesen sein müssen. Ausschlafen, stundenlang frühstücken, ohne ein einziges Mal aufzustehen, im Strandkorb rumliegen, in der Gala auch die Texte lesen, ganze Kuchenstücke allein aufessen, durch Geschäfte bummeln, ohne aufzuräumen, das iPhone benutzen, ohne dass jemand darauf jetzt sofort Ernie und Bert gucken möchte? Verrückte Vorstellung. Ja, das Ausschlafen fehlt mir, jeden einzelnen Morgen. Aber dafür kenne ich jetzt das schönste Geräusch der Welt.

Mein Fazit
Für mich gilt sowohl im Urlaub als auch im Alltag: Mit einem Kind verändert sich viel. Mehr, als man erwartet. Aber nicht alles. Was einem wirklich wichtig ist, das macht man auch weiterhin (zum Beispiel abends schön essen gehen). Alles andere kommt schon irgendwann wieder (ausschlafen!). Bis dahin gibt es als Bonus das weltbeste Intensiv-Coaching in der Disziplin „Prioritäten setzen“.

Wir haben übrigens für Februar ein Wochenende zu zweit auf Sylt gebucht. Der Kleine schläft in der Zeit bei Oma und Opa. Sonst wäre es ja kein richtiges Wochenende!

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