Ich mach das jetzt einfach.

„Hier war früher auch mal mehr los.“

Mein Gedanke, jedes Mal, wenn ich auf diesen Blog schaue.

Woran das liegt, muss ich niemandem erzählen – ich fasse es ganz kurz zusammen: Ich habe irgendwie nie Zeit – und wenn ich dann doch mal Zeit habe, bin ich so müde!

Ihr kennt das.

Der arme kleine Blog kann natürlich überhaupt nichts dafür. Manchmal wundere ich mich, dass er noch da ist, so sehr, wie ich ihn vernachlässigt habe. Sorry, Blog! Es ist ja nicht so, dass ich dich nicht mehr liebe. Es muss sich nur einiges verändern.

Vor knapp vier Jahren habe ich mich selbständig gemacht, diesen Blog gegründet und angefangen, Geld damit zu verdienen, Worte aneinanderzureihen – genau, wie es mein Plan gewesen ist. Spaß hatte ich auch noch dabei, mehr als in all meinen bisherigen Jobs für feste Arbeitgeber. Nach wie vor kann ich mir nicht ernsthaft vorstellen, in einen „normalen“ Bürojob zurückzukehren.

In diesen vier Jahren habe ich geheiratet, mit dem Gatten eine Wohnung gekauft und einen Sohn zur Welt gebracht. Was halt so anliegt zwischen 30 und 40, zwischen Selbstverwirklichung und Grundsteuer-Bescheid. Kurz bevor man komplett den Überblick verliert und der persönliche Alltags-Wahnsinn den Ich-will-alles-und-zwar-sofort-Roboter in uns zum Systemabsturz zwingt, zaubert das Leben gern diese eine Sekunde aus dem Hut. Einen Augenblick, in dem das Chaos auf dem Schreibtisch und die Spielzeug-Elefanten auf dem Küchenfußboden nicht mehr den Blick verstellen auf das, was wirklich zählt. Ein Moment wie ein Fingerschnipsen – aber man spürt es klar und deutlich.

Da war doch mal was.

Dieser eine Traum, dieser Wunsch, dieses Verlangen nach etwas, das irgendwie ein bisschen größer ist als alles andere. Dieses eine Ding, auf das wir zurückblicken möchten, wenn wir mit 86 weise lächelnd im Schaukelstuhl auf der Veranda sitzen. Denn ohne es wäre die eigene Lebensgeschichte nicht komplett.

Für jeden Menschen ist das etwas anderes. Für mich ist es ein Buch.

Nicht irgendein Buch. Mein Buch, das ich schreiben möchte, seit – ja, wahrscheinlich, seit ich schreiben konnte: „Wenn ich mal groß bin, werde ich Schriftstellerin.“ (Bloggen war damals noch nicht angesagt.) An diesem Wunsch hat sich nichts geändert. Außer, dass es verdammt noch mal an der Zeit ist.

Und jetzt zu dir, lieber Blog. Du bist mir ans Herz gewachsen, aber du kostest mich auch sehr viel Zeit. Texten, facebooken, instagrammen, hashtaggen, kommentieren, liken, sharen, fotografieren, photoshoppen, updaten, relaunchen, außerdem offline socializen, networken und celebraten – denn wer im Real Life nichts erlebt, der hat im Web auch nichts zu erzählen.

Puh.

Die Sache ist die. Ich muss dieses Buch schreiben. Es geht mir nicht aus dem Kopf. Es ist da drin und es will raus. Okay, ehrlich gesagt ist es noch kein Buch, es sind Geschichten, die erzählt werden möchten. Selbst erlebte und selbst ausgedachte Geschichten von der Suche nach dem Glück, denen ich jetzt einen Arbeitstitel verpasst habe: MY PERFECT LIFE. Ein Sack Wörter, Bilder, Gefühle und Träume, die sortiert und zu Papier gebracht werden müssen, damit ich nicht irgendwann platze. Oder durchdrehe. Oder beides.

Es gibt dazu einen sehr schönen Satz:

If you can’t stop thinking about it, don’t stop working for it.

Genau so ist es.

Ich bin sicher, dass jeder von uns so einen Traum hat. Vielleicht ist es ein ganz großer, vielleicht sind es viele kleine. Es kann sein, dass der Traum noch friedlich vor sich hin schlummert und erst einmal geweckt werden muss. Oder dass er, so wie bei mir, hellwach ist und immer wieder anklopft, während ich mit anderen, vermeintlich wichtigeren Dingen beschäftigt bin.

Der Steuererklärung zum Beispiel. Dem Antrag für den neuen Kita-Gutschein. Dem Kuchenrezept für den Kindergeburtstag.

Klopfklopf. Was machst du da?

Das siehst du doch! Ich kann jetzt nicht. Das hier ist wichtig.

Na, wenn du meinst, ich hau dann wieder ab. Aber ich komme wieder.

Jaja. War’s das erstmal? Ich hab jetzt echt Wichtigeres…

Schon gut. Ich höre immer nur „wichtig“. Aber ich glaube, was du meinst ist „dringend“. Das ist nicht das Gleiche.

Boah, für so philosophisches Gequatsche hab ich jetzt echt keine Zeit.

Okay. Aber beschwere dich nicht bei mir, wenn du mit 86 in deinem Schaukelstuhl sitzt und versuchst, dich darüber zu freuen, dass du immer pünktlich deine Steuererklärung abgegeben hast und es beim Kindergeburtstag nie gekauften Kuchen gab.

…?!

Deswegen mache ich das jetzt. Und diesen Text hier schreibe ich aus zwei Gründen. Statt ein schlechtes Gewissen produzierender pain in the ass zu sein, weil Du zu viel Zeit frisst, lieber Blog, möchte ich Dich bitten, für mich der Arschtritt zu sein, den ich ganz sicher gelegentlich nötig haben werde. Ich schreibe jetzt ein Buch. Hier steht es Schwarz auf Weiß, mitten in diesem Internet. Es gibt keinen Weg zurück.

Und nicht nur das: Ich werde regelmäßig berichten, wie es so läuft mit dem einsamen Wörter-Aneinanderreihen, wo ich Inspiration finde für die Story und Rat bei der Frage, wie das eigentlich funktioniert, ein Buch zu schreiben. Ob ich einen Verlag habe oder Self Publisher werde. Ob gerade die Buchstaben aus der Tastatur fliegen oder das Manuskript aus dem Fenster. Ein Projekt-Tagebuch sozusagen. Mindestens einmal im Monat auf dem Blog und zwischendurch immer wieder auf Facebook und Instagram. Bis Ende des Jahres steht das Gerüst und die ersten 100 Seiten sind geschrieben. Das ist das Ziel.

Falls sich jetzt jemand fragt, ob ich sie noch alle habe mir dieses Projekt Angst macht: Aber hallo. Ich mache mir fast in die Hose beim Tippen. Und wenn ich daran denke, dass dieser Text hier gleich online geht – entschuldigt mich kurz, ich geh schnell das T-Shirt wechseln. Aber auch für diesen Mix aus Panikattacke und Bock aufs Abenteuer habe ich das passende Zitat:

If your dreams don’t scare you, they aren’t big enough.

And this dream scares the shit out of me. Das Leben wirft uns die großen Dinger eben nicht in den Schoß, während wir es uns in der Komfortzone gemütlich machen. Mir wurde in diesem Fingerschnips-Moment klar, weshalb ich diesen Blog erschaffen habe. Nicht um über Themen zu schreiben, die zu potentiellen Kooperationspartnern passen könnten. Sondern um meine Herzensprojekte mit der Welt zu teilen. Genau darum geht es.

Natürlich gibt es hier trotzdem weiterhin typische Elbfrollein-Inhalte zu lesen. Ich werde Euch mitnehmen, wenn ich essen gehe, in schönen Geschäften stöbere, verreise, Kaffee trinke und mich darüber freue, in der schönsten Stadt der Welt leben zu dürfen. Das gehört einfach dazu und ich weiß, Ihr steht darauf – mein erfolgreichster Blogpost überhaupt beweist es auf die köstlichste Art und Weise.

So. Ich fange dann mal an. Und freue mich über jeden, der Lust hat, mich mit Wie-läuft’s-denn-so-Kommentaren zu piesacken. Im Ernst. Ich brauche Euch!

P. S.: Ich melde mich dann in zwei Wochen, ja? Falls nicht, bestraft mich ruhig hart. Ihr könntet im Elbgold anrufen und sagen, dass sie mir keinen Cheesecake mehr verkaufen dürfen. Ihr wisst schon, den mit der Himbeersauce. OMG. Ich mach jetzt lieber Schluss. Es gibt viel zu tun!

 

Titelfoto: Luke Chesser

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