Wie es mit dem Buch so läuft – und wer mich dabei coacht.

Gerade fühle ich mich, als hätte ich meine Mathe-Hausaufgaben nicht gemacht. Und so wie ich früher gehofft habe, dass die Lehrer nix merken (was oft geklappt hat), flüstert jetzt eine Stimme in meinem Kopf: „Muss doch keiner wissen! Denk dir halt was aus.“

Aber das ist Bullshit. Ich habe hier auf dem Blog nicht die Hosen runtergelassen (bildhaft gesprochen!), um mir selbst (und Euch) was vorzumachen. Sondern um endlich anzufangen.

Und ich habe angefangen. Anfangen bedeutet auch, ein paar Dinge im Kopf klar zu kriegen. Der störrische Kollege braucht ja gern etwas länger bei so kniffligen Vorhaben, die Veränderung bedeuten. Seine Devise: „Pfff, Schnapsidee. Wir machen so weiter wie bisher. Hat die letzten 30 Jahre doch gut funktioniert.“ Komfortzone und so, Ihr wisst schon. Und er arbeitet mit allen Tricks.

In meinem Fall heißt das: Natürlich habe ich es noch nicht geschafft, ein Kapitel zu schreiben. Das wäre auch vollkommen unrealistisch – aber dem Kopf ist das egal. Er wittert seine Chance und fängt an, auf mir herumzuhacken. „Siehst du, es sind schon vier Wochen vergangen und es gibt immer noch nichts, was du Manuskript nennen könntest. Da kannst du es lieber gleich lassen. Das wird doch sowieso nichts!“

Wenn ich dann kurz bedröppelt gucke, holt er richtig aus und erzählt mir, dass ich sowieso überhaupt keine Zeit für solche verrückten Ideen habe. Aufstehen, Frühstück machen, Kind anziehen, Mann und Kind verabschieden, Chaos beseitigen, duschen, mehr Chaos beseitigen, an den Schreibtisch, oh schon so spät?, Kind abholen, Kind bespaßen, einkaufen, Wäsche waschen, Essen machen, Chaos beseitigen, Kind ins Bett bringen, mehr Chaos beseitigen. Durchatmen. Ein ganz normaler Tag. Und mein Kopf so: „Wann genau wolltest du noch mal dieses Buch schreiben?“

Ich glaube, genau hier liegt der Schlüssel. Worauf es ankommt ist, sich von diesen Gedanken nicht beirren zu lassen. Sondern durchzuhalten. Dranzubleiben. Den Blick darauf zu richten, was schon geschafft ist – egal, wie winzig die Schritte erscheinen mögen. Jeder einzelne zählt.

Nachmittags schaue ich gern meinem Sohn dabei zu, wie er mit Duplo-Steinen die höchsten Türme baut. Sie fallen immer wieder um. Er baut sie unermüdlich wieder auf. Und freut sich riesig, wenn ein Turm nicht kippt. Weil er ihn dann umschmeißen kann. Gar nicht erst einen Stein auf den anderen zu setzen, weil der Turm einstürzen könnte, würde ihm nicht einfallen. Und mir würde es nicht einfallen, ihn abends zu fragen, wie viele Türme er geschafft hat. Ich schaue ihm einfach liebend gern beim Bauen zu.

Mit uns selbst sind wir da irgendwie komisch. Statt uns dafür zu feiern, auf dem Weg zu sein, verurteilen wir uns dafür, nicht genügend Ergebnisse zu liefern. Und lassen es dann lieber ganz. Aufzugeben ist aber keine Option, wenn es um Dinge geht, die auf der Bucket List weit oben stehen. Auch wenn es aussieht, als wenn andere es besser können oder es längst geschafft haben. Scheinbar mühelos, natürlich.

Es geht nicht darum, jede Sekunde und jedes Quäntchen Energie dem einen Ziel zu widmen. Das hält kaum ein Mensch durch. Wenn die eigenen Ansprüche zu hoch sind, ist das Scheitern vorprogrammiert. Wer Diät machen will und sich nicht mal das kleinste Gummibärchen erlaubt, wird ganz sicher aufgeben. Wer entspannter an die Sache heran geht, verdrückt zwischendurch zum Beispiel auch mal einen Burger. Und macht dann einfach weiter.

Ich mache einfach weiter. Lese Bücher übers Bücherschreiben, die ich fesselnder finde als viele Romane, die ich bisher gelesen habe. Halte dem schlechten Gewissen die Augen zu, wenn ich abends an Harvey Specters Lippen hänge – weil ich für alles andere zu müde bin und weil Harvey mir zwischendurch zuflüstert: So erzählt man spannende Geschichten. Genau so.

Ich brainstorme und lasse die Ideen sprießen. Das klappt erstaunlich gut. Einzige Voraussetzung, damit es läuft: hinsetzen und anfangen. Anstatt auf den Kopf zu hören, der sich meist lieber im Sand verkriechen würde. Und deshalb jedes Mal tausend Dinge auflistet, die jetzt wichtiger wären. Bei Mathe-Hausaufgaben lasse ich ihm das durchgehen. Hier nicht. Ich schreibe dieses Buch. Niemand hat behauptet, dass es einfach wird. Aber ich bin sicher: Es lohnt sich.

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