Mallorca mit Kind. Und Oma und Opa.

Im Mai waren wir zehn Tage auf Mallorca. Der Mann und ich, unser Zweijähriger und sein Bagger, der seit seinem letzten Geburtstag an der rechten Hand fest gewachsen ist, und Oma und Opa.

„Wie war eigentlich euer Urlaub?“ werde ich natürlich gefragt.

„Schön!“ antworte ich. Und so was wie: „Nette Finca, viel Sonne, wir konnten sogar schon im Meer baden.“

Eine Stimme in meinem Kopf flüstert dann jedes Mal hinter vorgehaltener Hand: „Man darf halt nur nicht daran denken, wie Urlaub früher mal war…“ Und sie kichert ein wenig gehässig.

Ausschlafen, ausgehen, abhängen? Das war Urlaub in einem früheren Leben…

Jetzt ist es anders: Ausgeschlafen fühlen wir uns nicht mehr um 10, sondern ab 7 Uhr morgens (aktuelle Phase: jede Minute nach 5 Uhr ist ein Gewinn), vom Ausgehen kommen wir nicht im Morgengrauen, sondern vor Sonnenuntergang zurück und fürs Abhängen gibt es das Mittagsschläfchen. Man lernt mit jedem Urlaub dazu und versucht nicht mehr wie ein Anfänger, auf einer Liege am Pool zu chillen (oder sogar zu lesen), während das Krabbel- oder Kleinkind daneben auf einer Decke spielt. Was es natürlich nicht tut. Es probiert, ob Sonnenmilch wirklich nach Milch schmeckt, es versteckt den Zimmer-Schlüssel in der Randbegrünung und krabbelt in einem Affenzahn samt Mützchen und Lederpuschen auf den 1,80 Meter tiefen Pool zu. Also, nicht dass das bei uns so gewesen wäre im Mallorca-Urlaub letztes Jahr. Wo denkt Ihr hin. Alles frei erfunden.

In diesem Jahr hatten wir eine Finca mit großem Grundstück und eingezäuntem Pool gebucht. In Alcúdia, wo es viele kinderfreundliche Strände gibt. Und: Wir hatten Oma und Opa eingepackt. Also alles richtig gemacht. Oder?

Vier Erwachsene und ein Kind, das ist der perfekte Betreuungsschlüssel für einen maximal erholsamen Urlaub. Oder geht irgendwer irgendwem spätestens an Tag 3 so richtig auf den Keks? Ich habe meine fünf wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Familienurlaub mit Großeltern für Euch aufgelistet.

So viel vorab: Am entspanntesten verreist man dann, wenn man aufgehört hat, alles richtig machen zu wollen. Schafft nämlich sowieso keiner.

1. Großzügig planen

Ein Mittelklasse-Mietwagen für alle? Fünf Personen in einen Fünfsitzer, passt? Dieses Vorhaben wäre in unserem Fall allein aufgrund der Gepäckdimensionen kolossal gescheitert. Wir hatten zum Glück zwei Autos gebucht (kostet wirklich nicht die Welt, wenn man ein wenig sucht), warfen ein wenig Ballast ab in den Kofferraum der Großeltern und fuhren als entspannte Mini-Kolonne zu unserer Finca. So hatten wir außerdem die Möglichkeit, auch mal getrennt etwas zu unternehmen.

Immer daran denken: Es möchten sich alle erholen im Urlaub. Sich auch mal aus dem Weg gehen können und nicht jeden Morgen vorm Bad Schlange stehen. Ein bisschen mehr Platz ist da wirklich ein paar Euro wert.

2. Den Alltag zu Hause lassen

Feste Zeiten zum Essen und Schlafen können entscheidend sein bei der Frage, ob das Kind den Tag im Modus „unerträgliche Mini-Nervensäge“ oder „allerliebste Zuckerschnute“ verbringt. Trotzdem möchte ich im Urlaub nicht um 18 Uhr zu Abend essen, um das Kind pünktlich ins Bett zu bringen. Wir saßen weit über die normale Schlafenszeit hinaus in der Altstadt von Alcúdia bei Tapas und Sangría, während unser Sohn von Tisch zu Tisch zog und stolz seinen Bagger präsentierte. Er hat es in vollen Zügen genossen – so sehr, dass er anschließend natürlich auf keinen Fall ins Bett wollte. Und nein, er hat morgens NICHT entsprechend länger geschlafen. Aber das Schöne ist: Sowas vergisst man nach dem Urlaub wieder. Die Erinnerung an den Tapas-Abend bleibt.

3. Pause vom Mama-Modus

Das Kind zischt ab auf die Terrasse – Mama rennt sofort mit dem Sonnenhütchen hinterher. Legt alle paar Stunden ordentlich nach in Sachen Lichtschutzfaktor und erinnert den Ehemann daran, sich ebenfalls einzucremen. Sind eigentlich genug Schwimmwindeln da? Und sind die Wechsel-Badesachen schon wieder trocken? Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis ich von meinem Sohn ein gelangweiltes „Chill mal, Mama“ zu hören bekomme. Recht hat er. Unten ohne fühlt er sich am Strand sowieso am wohlsten – und den Rest haben Oma, Opa und Papa auch ganz gut im Griff. Falls Mutti trotzdem nicht so richtig locker lassen kann im Urlaub: Ab an die Strandbar. Die haben was dagegen.

4. Date Night

Ich gebe zu: Viele Abende haben wir im Urlaub gemütlich auf der Couch verbracht. Ich habe innerhalb von zwei Tagen ein ganzes Buch gelesen, weil es so mega spannend war (Sebastian Fitzek, übrigens). Für mich war das schon purer Luxus. Einmal sind der Mann und ich aber auch allein ausgegangen. Oma und Opa hielten beim Lütten die Stellung, während wir bemerkten, wie entspannend ein Sonnenuntergang sein kann, wenn man einfach dasitzt, bis es dunkel wird, und nur ab und zu Oliven nachbestellt, anstatt alle paar Minuten einen Zweijährigen und seinen Bagger aus unbefugt betretenen Zonen zu pflücken.

5. Die Ansprüche den Möglichkeiten anpassen

So hat meine liebste Kollegin Chris es formuliert – klingt etwas netter als die Stimme in meinem Kopf, heißt quasi dasselbe: Wer mit Kleinkind(ern) verreist und einen Pärchen-Urlaub erwartet, bleibt lieber gleich zu Hause. Übergepäck gehört zum Standard, kindgerecht ist das neue hip und Fischstäbchen sind das entscheidende Argument bei der Wahl des Restaurants – wer die neuen Regeln akzeptiert, urlaubt mit maximalem Glücksgefühl.

Gründe gibt’s genug: Das über-freudige Quietschen des Nachwuchses, der sich Sand und Salzwasser gießkannenweise gönnt. Der erste Kaffee in der Morgensonne am Pool, während Oma und Opa mit ihrem Enkel Brötchen holen sind. Zart gebräunte Knutschefüßchen, für die man die entzückendsten Mini-Flip Flops shoppen kann. Kurz: Zu wissen, dass der Kleine gerade eine unfassbar gute Zeit hat und dafür gar nicht viel braucht. Und das dann einfach nachmachen.

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