Und, wann kommt Nummer 2? Die Sache mit dem Kinderkriegen.

In jedem Lebensabschnitt gibt es diese typische Fragen. „Bist du immer noch Single? Gehst du denn nie aus?!“ (Als wenn da ein Zusammenhang bestünde… Nun ja.) Frisch Verliebte hören sie nicht gleich in ihrer Dopamin-Blase, die Frage, ob das jetzt was Ernstes sei und wie es denn mit dem Heiraten aussähe. Aber irgendwann sickert sie dann doch durch.

Und dann, happy verlobt, hat man vielleicht erstmal ein wenig Ruhe? Ha, von wegen. Jetzt wird erst richtig geflüstert. „Heiraten die jetzt, weil da was unterwegs ist? Ich glaube, ich habe ein Bäuchlein gesehen…“ Selber schuld – wer es in dieser spekulationsintensiven Zeit leichtfertig am Spaghetti-Bolognese-Abend übertreibt, provoziert solche Fragen ja geradezu. Und dann erst nach der Hochzeit! „Wie, du trinkst Apfelschorle?“ Dazu vielsagende Blicke. Jede noch so glaubhaft vorgetragene Antwort wird mit wissendem Lächeln als Ausrede interpretiert. „Ich muss fahren!“ „Ich hab gestern Abend richtig gesoffen, mir ist immer noch kotzübel!“ – nichts hilft.

In der Schwangerschaft gibt es die (zumeist) nett gemeinten Fragen: „Wisst ihr schon, was es wird? Verratet ihr den Namen? Wann ist denn Stichtag?“ Und die nervigen Fragen: „Darfst du überhaupt Sushi essen? Willst du wirklich in der 30. Woche noch fliegen?“ Dann die richtig dreisten: „Was für ein krasser Bauch. Sicher, dass es keine Zwillinge werden?“ Mit wachsendem Bauchumfang sinkt ja auch irgendwie die Lust, doofe Fragen höflich zu beantworten. Selbst wenn sie gar nicht gestellt werden. Gegen Ende meiner Schwangerschaft starrte mir der Begleiter einer anderen Patientin im Wartezimmer meiner Frauenärztin so auffällig und irritiert auf den Bauch, dass ich ihn am liebsten angeschnauzt hätte: „Was glotzt du so? Ich bin schwanger. Was ist deine Entschuldigung, Fettsack?“ Hab ich natürlich nicht gemacht. Unter anderem, weil mir der passende Text viel zu spät einfiel.

Sobald das Kind da ist, gibt es statt Fragen erstmal viele Weisheiten übers Stillen, Nicht-Stillen, Schlafen, Tragen und Verdauen. Durch die wunderbare Stilldemenz hat man die meisten aber zum Glück gleich wieder vergessen. Und dann – hat man endlich Ruhe. Soll erfüllt. Oder? Natürlich nicht.

Aktuell befinde ich mich in der „Wollt ihr noch ein zweites? Wie alt bist du noch mal?“-Phase.

Als Ü-30-Mama bekommt man diese beiden Fragen meist in Kombination gestellt. Wenn ich versuche, den ersten Teil zu beantworten, fühle ich mich ähnlich wie Lorelai in der Gilmore-Girls-Fortsetzung, als Kirk mit am Tisch sitzt und Emily fragt: „Explain to me again who that person is?“ und Lorelai antwortet: „Oh, that I could.“

Eigentlich müsste ich nämlich sagen: „Hast du die nächsten drei Tage nichts vor? Wenn ich mich beeile, bin ich bis dahin mit meiner Antwort fertig.“ Es lässt sich so schlecht in einem Satz zusammenfassen, was mir dazu einfällt. Genauer gesagt, was zwei verschiedenen Teilen von mir dazu einfällt. Teil A (nennen wir ihn Hans) hält Kind Nummer 2 für eine Spitzenidee, Teil B (nennen wir ihn Franz) hält hart dagegen und skandiert: „Selbstmord!“ Es überrascht nicht, dass die beiden in hitzige Diskussionen geraten, sobald sie das entsprechende Stichwort bekommen.

Hans: Ja! Ja! Das wollen wir! Babys sind süß!

Franz: Selbstmord.

Hans: Auf sowas antworte ich gar nicht erst. Dir fehlen wohl die Argumente.

Franz: Argumente willst du? Easy. Erstens: Schlafentzug.

Hans: Das ist doch halb so wild.

Franz: Bist du irre? Ha, ich weiß, woher das kommt. Du pennst wohl zu wenig.

Hans: Das geht doch vorbei.

Franz: Eben! Und wir haben es so gut wie geschafft! Wir sind quasi clean! Ich stehe das kein zweites Mal durch.

Hans: Weißt du noch, die allerersten Monate? Dieses kuschelige kleine Bündel, das auf deiner Brust schläft?

Franz: Lass uns sachlich bleiben.

Hans: Und wie das riecht!

Franz: Ich rieche auch was. Kackwindeln um zwei Uhr nachts!

Hans: Stell dir mal vor, eine süße kleine Schwester für Tom. Wie er sich freuen würde!

Franz: Ich wette, es würde ein sehr lauter kleiner Bruder werden.

Hans: Auch toll! Dann hat er sonntagsmorgens immer jemandem zum Spielen…

Franz: In drei Jahren vielleicht. Bloß: Ich überleb’s nicht bis dahin.

Hans: Beim zweiten Kind ist doch alles leichter. Man hat so viel gelernt beim ersten!

Franz: Ja, dass man immer drei Arme zu wenig hat zum Beispiel.

Hans: Dafür ist ja dann ein großer Bruder da. Wie toll das klingt!

Franz: Klingt vor allem laut.

Hans: Leise ist doch langweilig.

Franz: Langeweile? Was war das noch gleich?

Hans: Hab ich vergessen. Ist doch super! Langeweile ist für Langweiler.

Franz: Ich hätte Bock auf sechs Wochen Langeweile. Am liebsten am Strand.

Hans: Hättest du nicht. Spätestens nach drei Tagen würdest du hier heulend ankommen.

Franz: Gut, dann eben drei Tage. Wann geht’s los?

Hans: Jetzt lenk nicht vom Thema ab.

Franz: Ok. Also, keine neuen Babys. Sonst noch was? Ich muss dann mal arbeiten.

Hans: Dann wird dein Sohn also ein verzogenes Einzelkind, weil dir andere Dinge wichtiger sind.

Franz: Alter, gehörst du jetzt zur Müttermafia, oder was? Ich glaub, es geht los.

Hans: Nee. Dann hätte ich mindestens ne Tupperdose Apfelschnitze dabei. Oder  vegane Obstriegel mit Bio-Siegel. Aber ich hab hier nur ne Tüte Zoo-Kekse.

Franz: Ich nehm welche!

Hans: Okay. Aber über das Thema reden wir noch!

Der Move hätte von mir sein können: Nervtötenden Kollegen mit Keksen ruhig stellen. Aber so ein kleiner Snack hält nicht lang vor. Ich kann mich da also noch auf was gefasst machen.

Und ich wette mit Euch, auch nach Kind Nummer 2 hören die Fragen längst nicht auf. Es gibt so viele schöne Anlässe zu Spekulationen! Von Kind Nummer 3 bis 8 über Voll- und Teilzeit bis hin zur möglicherweise drohenden Scheidung – es hört nie auf.

Wir brauchen also früher oder später ein viertes Zimmer. Könnte ganz schön eng werden sonst, jetzt wo Hans und Franz auch hier wohnen.

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